mehr als 100 Jahre Freie evangelische Gemeinde Bergedorf !

Es begann mit kleinen Hauskreisen. In Sande (Lohbrügge) traf man sich seit 1893 im Wohnzimmer, um gemeinsam mit einem Prediger von der Freien evangelischen Gemeinde Hamburg, Holstenwall, Bibeltexte zu lesen und zu verstehen. Besucher aus Bergedorf und Umgebung waren stets willkommen.

Am 04.02.1913 wurde die kleine Gemeinschaft eine der vielen Freien evangelischen Gemeinden (FeG) im Hamburger Raum. Bereits wenige Wochen danach lud sie mit 5000 Einladungen auf der Straße zu einer Evangelisation ein. In einem gemieteten Saal in Bergedorf erklärte Friedrich Heitmüller, Hauptpastor in Hamburg, an sechs Abenden biblische Zusagen Gottes. Auch der Chor aus Hamburg begeisterte das Publikum. Nach dieser Woche ist das Interesse, an Hauskreisabenden teilzunehmen, stark gestiegen.

Nach dem ersten Weltkrieg begann man, auch in Reinbek, Bergedorf, Friedrichsruhe und in Kröppelshagen Bibelabende zuhause zu gestalten. Sehr gern hat die Gemeinde zu Veranstaltungen eingeladen, beispielsweise zur Teestunde in einer Gastwirtschaft an der Sternwarte oder zu Abenden in der Stadtschulen-Aula in der Hassestraße.

In diesen Jahren waren die vielen Hausbesuche durch Privatpersonen wie Oberst von Kietzell, wohnhaft im Schloss Reinbek, Gold wert, da auf diese Weise Freunde der Gemeinde im Glauben ermutigt und die Gemeinschaft gestärkt werden konnte. Gott segnete das Miteinander auch durch das Entstehen von Kinder- und Jugendgruppen, welche von Gemeindeschwestern vor Ort betreut wurden.

In der Umgebung entstanden auch Hauskreise in Oberbillwerder, Trittau, Schönningstedt, Wohltorf, Aumühle, Börnsen, Geesthacht, Schwarzenbek und Hinschendorf.

1925 betrug die Mitgliederzahl 132, darüber hinaus kamen viele Freunde zu den Veranstaltungen. Wie gut wären Räumlichkeiten für das Gemeindeleben, und das in zentraler Lage!

In den Jahren `26 bis `43 bezog die Gemeinde gemietete Räume des Hauses an der Wentorfer Straße 15 / Ecke Gräpelweg.

Prediger Otto Kuhn zog mit seiner Familie 1935 nach Bergedorf und hat die Leitung der Gemeinde gemeinsam mit dem Brüderrat übernommen. Darüber hinaus war es ihm wichtig, die vielen Gläubigen und ihre Bibelstunden im weiten Sachsenwald-Bezirk mit dem Fahrrad aufzusuchen!

In den Unruhen des zweiten Weltkrieges und der Zeit danach suchten viele Menschen nach Halt im Leben und Frieden mit Gott. Zu den Gemeinde-Veranstaltungen kamen neue Besucher, auch viele Vertriebene und Soldaten der Wentorfer Kasernen.

1955 erwarb die Hamburger Hauptgemeinde bzw. die Stiftung Elim ein Grundstück mit einem Gebäude im Schulenbrooksweg 2, hier sollte nun ein eigenes Gemeindehaus entstehen. Das vorhandene Gebäude, von der Wentorfer Straße aus zugänglich, war u.a. als Pferdestall, Hufschmiede und Schlosserei genutzt worden (s. Foto).

Außerdem stand auf dem Grundstück – zum Schulenbrooksweg hin – eine kleine Villa, in der der Lungenfacharzt Dr. Julius Lange und Ehefrau, beide Gemeindemitglieder, Wohnräume bezogen und Praxisräume eingerichtet haben.

Nach der Sanierung der Bausubstanz der Schlosserei hat Gott es möglich gemacht, unter der Bauleitung von Arnold Samsz mit dem wenig vorhandenen Geld der Gemeinde einen Versammlungssaal („Alter Saal“) zu errichten und im ersten Stock eine Wohnung für die Predigerfamilie herzurichten.

Viele Gemeindefreunde zögerten nicht, sich in vielen Stunden handwerklich an der Renovierung des Hauses und den Arbeiten in den Außenanlagen zu beteiligen.

Am 14.10.1956 wurde das Gemeindehaus feierlich eingeweiht. Zwei Jahre zuvor war Pastor Kuhn dankbar in den Ruhestand verabschiedet worden, und Pastor Heinz Pohlmann ist mit seiner Familie für die neue Dienststelle im Sachsenwaldbezirk eingesegnet worden.

In unseren FeGs wechseln die Pastoren nach etwa 10 Jahren die Gemeinde. 1964 kam Pastor Reinhard Gutzmann nach Bergedorf, außerdem eine ledige, junge Gemeindehelferin…recht bald nach ihrem Start stand ihre Hochzeit auf dem Gemeinde-Plan : ) Ellen und Reinhard blieben bis 1973 Pastorenehepaar.

Pastor Ralf Lamaack und Familie wurden dann nach Bergedorf berufen. Seine Leitung von überregionalen Chor- und Bläserchorproben bereicherte das gemeindliche Miteinander im Sachsenwaldbezirk.

1982 bezog die Pastorenfamilie Murzin die von dem Mitgliedern der Gemeinde modernisierte Pastorenwohnung. Nachdem Dr. Lange seine Villa mit Grundstück der Gemeinde überlassen hatte, freute sich die wachsende Gemeinde, im Besonderen der große Jugendkreis, die Räumlichkeiten nutzen zu können.

Für die Gemeinde und Pastor Klaus Murzin standen der Abriss der Villa und der Beginn eines Neubaus an. Bauleiter A. Samsz und sein Team an Ehrenamtlichen aus der Gemeinde entwarfen gemeinsam mit dem Architekten Johannes Bergmann das heutige, großzügige Gemeindezentrum. Nach Möglichkeit wurden viele Tätigkeiten beim Innenausbau von den Mitgliedern der Gemeinde in Eigenleistung erbracht.

Die feierliche Einweihung mit der Bitte um Gottes Segen fand 1986 statt.

Die Zahl der Mitglieder und Freunde der Gemeinde ist stetig gewachsen. Als 1994 eine neue Pastorenfamilie kam, Pastor Georg Bollmann, waren bald alle Plätze im großen Gemeindesaal besetzt. Nach gemeinsamen Beratungen wurde ein Grundstück in Neuallermöhe-West, Wilhelm-Osterhold-Straße, gekauft und darauf bis 2000 das  Gemeindehaus der Gemeinde Neu-Allermöhe errichtet. Nun konnten etwa 35 Erwachsene, ihre Kinder sind nicht mitgezählt, vor Ort einen eigenen Gemeindestandort gründen. Für Pastor Georg Bollmann eine neue Herausforderung, zwei Gemeinden zu betreuen!

Seit 2002 leitete Pastor Jörg Hartung die beiden Gemeinden, er und seine Familie blieben bis 2013. In seine Dienstzeit fällt das Selbstständig-Werden der FeG Allermöhe und die Einweihung des neuen Elim-Seniorenzentrums Bergedorf, Am Güterbahnhof. Mit dieser Einrichtung und mit der neugebauten, christlichen August-Hermann-Francke-Schule in den Glasbläserhöfen arbeiten wir als Gemeinde eng zusammen. Erstmalig wurde 2013 mit Miriam Albart eine Gemeindereferentin für die Kinder- und Jugendarbeit berufen.

Nach einer vakanten Zeit übernahm Pastor Tobias Radtke 2016 die Leitung der FeG Bergedorf. Familie Radtke blieb bis 2018. Als Kinder- und Jugend-Referent folgte Ricardo Serci 2017 der zuvor freigewordenen Stelle von Miriam Albart nach.

D.Lamaack

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