Die Liebe als Band der Einheit

„Über das alles zieht an die Liebe. Die alles andere in sich umfasst. Sie ist das Band, das euch zu vollkommener Einheit zusammenschließt.“ Kolosser 3,14

Die Einheit der Gemeinde ist so wichtig, dass das Neue Testament ihr eine sehr große Aufmerksamkeit schenkt. Gott sehnt sich danach, dass wir miteinander Einheit und Harmonie erfahren. Einheit ist die Seele der Gemeinschaft. In den letzten Stunden vor seiner Verhaftung betete Jesus leidenschaftlich für die Einheit seiner Gemeinde (Johannes 17). Das zeigt, wie wichtig dieses Thema ist. Er selbst hat sein Leben für uns gegeben, damit wir mit Gott und untereinander versöhnt leben können. Wenn ich Jesus nachfolge, dann liegt es Gott so sehr am Herzen, dass ich dazu beitrage, die Einheit der Gemeinde zu bewahren, die Gemeinschaft zu schützen und das liebevolle Miteinander in der Gemeindefamilie zu fördern. Darauf weist auch Paulus hin, wenn er an die Gemeinde in Ephesus schreibt: “Setzt alles daran, dass
die Einheit – wie sie der Heilige Geist schenkt – nicht durch Unfrieden zerstört wird“ (Epheser 4,3). Wenn man einmal entdeckt hat, wie echte Gemeinschaft nach Gottes Willen aussehen soll, ist man leicht durch die Kluft zwischen idealer und realer Gemeinschaft entmutigt. Auch eine christliche Gemeinschaft desillusioniert Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen: Konflikte, Verletzungen, Vernachlässigung, Versagen, Gesetzlichkeit u.a.m. Wir sollen uns davon aber nicht schockieren oder überraschen lassen, sondern daran denken, dass die Gemeinde ausschließlich aus begnadigten Sündern besteht – einschließlich uns selbst.

Aber anstatt die Gemeinde zu kritisieren oder gar zu verlassen, sollten wir mit Gottes Hilfe mit daran arbeiten, die Situation zu verändern. Versöhnung, nicht Flucht, ist der Weg zu mehr geistlichem Wachstum und zu einer tieferen Gemeinschaft. Dietrich Bonhoeffer hat einen echten Klassiker zum Thema „Gemeinschaft“ geschrieben: „Gemeinsames Leben“. Darin schreibt er, dass die Enttäuschung über die örtliche Gemeinde gut ist, da sie unsere falschen Erwartungen an Perfektion korrigiert.

Je eher wir die Erwartung ablegen, dass die Gemeinde perfekt sein muss, damit wir sie lieben können, desto eher werden wir aufhören, so zu tun, als seien wir fehlerlos, und desto eher können wir zugeben, dass auch wir unvollkommen sind und Gnade brauchen. Das ist der Beginn echter Gemeinschaft. Bonhoeffer schreibt: „Wer seinen Traum von einer christlichen Gemeinschaft mehr liebt als die christliche Gemeinschaft selbst, der wird zum Zerstörer jeder christlichen Gemeinschaft, und ob er es persönlich noch so ehrlich, noch so ernsthaft und hingebend meint. Gott hasst die Träumerei, denn sie macht stolz
und anspruchsvoll. Wer sich das Bild einer Gemeinschaft erträumt, der fordert von Gott, von dem Anderen und von sich selbst die Erfüllung. Er tritt als Fordernder in die Gemeinschaft der Christen, und richtet ein eigenes Gesetz auf.“ Und dann spricht Bonhoeffer davon, dass Gott unsere Gemeinschaft wachsen lässt, wenn wir ihm für alles danken, was er uns schenkt – auch wenn nicht alles in unserer Gemeinschaft perfekt ist.

Eine Frage zum Nachdenken: Was tue ich persönlich, um die Einheit meiner Gemeinde zu schützen und zu stärken?
Martin Rothweiler

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