Wenn zwei sich streiten…

… freut sich der Dritte. So sagt es der Volksmund, und manchmal ist es tatsächlich so: ich selber profitiere, wenn andere so sehr mit ihren Streitereien beschäftigt sind, dass sie gar keinen Blick mehr für Wesentliches haben. Aber trifft das auch auf uns in der FeG Bergedorf zu? Vielleicht müssen
wir den Satz eher fortführen mit:

… haben die Dritten und Vierten endlich mal wieder etwas, um darüber zu reden. Ja, Streit kommt in der besten Familie vor, auch in den biblischen Gemeinschaften und Familien gab es Streit. Auch bei uns gibt es reichlich Streit. Streit zu beobachten, macht traurig und manchmal hilflos. Die Frage ist nur, wie wir mit unseren Beobachtungen und Gefühlen umgehen. Eine unserer beliebtesten Strategien ist es, dass wir, wenn wir Streit beobachten, uns mit anderen darüber austauschen. Wir suchen Verbündete im „Sich-darüber-Aufregen“ und wollen unsere eigene Meinung bestärkt wissen. Aber ist das der Umgang, den uns Jesus lehrt? Wohl eher nein! Daher wenden wir häufig lieber diese Strategie an:

… beschönigt der Dritte. Streit in unseren Gemeinden und Familien versuchen wir zu beschönigen, zu überdecken, nicht auszuräumen und einfach Gras drüber wachsen zu lassen. Streit unter Christen sollte doch nicht vorkommen, und was nicht vorkommen darf, wird verdrängt. Kommt Euch diese Strategie bekannt vor? Mir selber ist diese Strategie leider auch aus eigenem Handeln gut bekannt. Leider, denn dadurch löst sich nichts und der eigene Groll und Ärger oder auch die Trauer über den Streit bleiben bestehen und werden nicht gelöst. Im Rahmen von‚ Glaube konkret’ haben wir nun noch eine neue Form des Umgangs mit Streit gelernt; Streit, in den wir selber nicht involviert sind, den wir aber beobachten:

Wenn zwei sich streiten … betet der Dritte. Wir nennen diese Form des Gebetes, bei dem wir uns ganz konkret und bewusst mit der Sünde des Nächsten vor Gott begeben: ‚stellvertretendes Gebet.’ Stellvertretung ist uns von Jesus gut bekannt. Er hat stellvertretend für uns gelitten und ist für uns gestorben. Aber können wir stellvertretend um Vergebung für andere bitten? Die Bibel hat viele Beispiele, in denen Menschen stellvertretend für andere bitten. Die Priester im Alten Testament waren damit beauftragt, stellvertretend für das Volk zu beten. Nehemia betete stellvertretend für die Israeliten, Abraham kämpfte im Gebet für die Menschen von Sodom und Gomorra, statt sich das Maul über diese unsittlichen Menschen zu zerreißen.

Diese biblischen Vorbilder wussten und erwarteten, dass Gott in solchen festgefahrenen Streitsituationen und bei Sünden von anderen unsichtbare Türen zur Umkehr und Heilung öffnet. Sie haben zuerst das  Gespräch mit Gott gesucht, statt im Gespräch miteinander die Situationen nur noch schlimmer zu machen.

Sind wir bereit, unsere Position als Priester, als Stellvertreter für andere einzunehmen? Sind wir bereit, uns mit den Sünden der Gemeinde zu identifizieren und sie vor Gott zu bringen? Sind wir bereit, Streit vor Gott beim Namen zu nennen und auszuräumen? Dann bekommt der Bibelvers ein ganz neues Gewicht:

Ihr jedoch seid das von Gott erwählte Volk, ihr seid eine königliche Priesterschaft! (1. Petrus 5, 9a – NGÜ)

Dazu wünsche ich uns allen Gottes Segen,

Benjamin Lindenau

Bild : kai kalhh / Pixabay